m a r c e l h e r m a n n

       

"Brief an die Gegenwart"

Liebe Gegenwart!

 

Das Resümee meines bisherigen Daseins lag in einem Katz- und Mausspiel. Eine Epoche von unsinnigen Prüfungsaufgaben, wenn es denn welche waren, begleiteten mich stets auf Schritt und Tritt. Du erlaubtest dir auf spielerische Weise einen schlechten Scherz mit mir und hattest nie ein Verlangen davon abzukommen. Aufrechtgehend ertrug ich auf allen Wegen deine Tücken. Nichts konnte mich davon abbringen aufzugeben. Einst vermochte ich mich aus dem Sumpf der Gosse zu befreien um nicht darin unterzugehen. Keine von den dir gestellten Fallen gestattete ich mir zum Verhängnis zu werden. Versank ich auch oft im eigenen Seelenmüll der mir immer wieder vorgaukelte dem Ende näher zu sein - als dem begonnenen Anfang. Aber du weisst: "Ich bin Ich" und biete Wind und Sturm wie auch jeder Niederlage die Stirn, egal wie gross der Stolperstein auch sei, der mich am weitergehen hindern will. Du solltest wissen: "Ich bleibe Ich", und ich werde es dir von Sekunde zu Sekunde aufs Neue beweisen. Warum fällt es dir bei mir so schwer mich aus dem eigenen Gefangensein zu lösen? Du müsstest doch wissen, dass ich mir dadurch ein Lebenlang selbst im Wege stand und selten einen Anfang für mich sah. Ist das deine Stärke dem Individuum zu zeigen wie schwach es ist? Du erkanntest doch sicherlich die daraus entstandene Mentalität des Misstrauens allen Menschen gegenüber. Der Undank des Einzelgänger ist dir daher gewiss und er wird auch weiterhin daran festhalten und versuchen die Vorgaben des Schicksals auszutricksen. Auch wenn du mich täglich an das Gestern erinnerst. Glaubst du nicht auch, dass es langsam an der Zeit wäre, wenigstens gegenwärtig meine Sehnsucht nach Verbindlichkeit im Dasein zu arrangieren? Heute weiss ich nicht einmal mehr genau: "Hasse ich dich oder hasse ich mich?!" Im Gegensatz zu mir kannst du dich in deinen Erfolgen, die ewig garantiert sind, genüsslich wälzen. Dieser Platz sei dir gegönnt! Aber wann und wo finde ich den meinen? Hab doch für diesen Augenblick des Gast Seins auf Erden erbarmen und lass mich das Machbare erkennen. Soviel Zeit bleibt mir doch nicht mehr im Leben.

         

© by MarcelHermann

       

"Brief an die Zukunft"

Liebe Zukunft!

 

Lass mich nicht allein. Überlasse mich nicht dem Sog der Leere. Für mich würde es das Ende ohne einen Anfang bedeuten. In der Leere beginnt die Tragik zu leben. Tag für Tag, Woche zu Woche, Monat um Monat, Jahr an Jahr, sich mit der Sinnlosigkeit des Lebens zu arrangieren. Ein Kampf gegen das Unglaubliche, der fast härter ist als ich dachte. Ich fürchte das Ablegen meines zweiten Gesichts, meine nun innerlich bröckelnden Maske des Scheins, was mich bisher vor der Realität schützte. Dieser Schein suggerierte unentwegt die  Leichtigkeit des Lebens und umwarb mich meiner zweiten, anderen Natur. Die trügerisch, aufpolierte Fassade verführte mich nutzlos dahin zu stolzieren. Nicht mehr zu wissen, welche Richtung eingeschlagen werden soll, festigte die Kunst dem dunklen Schatten noch etwas Licht zu entlocken.  Noch tue ich so, als sei ich stark, umgänglich, zart, für alles Leid dieser Welt sensibilisiert. Ich bin das Moderne; "Elend des Wohlstands". Es ist die Gier, der Hunger nach immer noch  mehr, aber das Mehr ist geringer geworden. Und das Wenige an Mensch genügt nicht. Angst, macht mir die Wahrnehmung meiner  Fehler die doch keine Fehler sind.  Stille Wasser sind tief, aber auch schmutzig. Der Schmutz von gestern tickt wie eine Zeitbombe in mir. Die Vergangenheit war meine Geborgenheit. Des Überlebens Willen überträume ich Unannehmlichkeiten dieser Zeit, meiner Zeit. Ich vermeide das Versteckspiel um mir nicht weiter fremd zu werden.  Auf Teufel komm raus bleibt es wohl dabei, von der Natur genarrt zu werden. Meine Seele friert selbst bei Sonnenschein denn, Freiheit macht krank. Der Gedanke an meine Schwächen löst oft in mir Panik aus. Hör nur einmal das Ungesagte. Die Stille meiner Sehnsucht nach Geborgenheit. Dann hätte ich den Mut, die Realität zu leben. Die schlummernde Wahrheit in mir tobt: Ohne Zukunft - bin ich verdammt allein und verloren.

         

© by MarcelHermann

 

 

 Gedichte/Lyrik © by Marcel Hermann
"Dunkelheit ist die Quelle des Lichts"
"Jeder gelebte Tag ist ein Tag weniger im Leben"
"Des Menschens Stärke ist mit Schwächen stark zu sein"
© by MarcelHermann

Marcel Hermann Homepage